Anleitungen
Ab August 2026 greifen die Hochrisiko-Pflichten des EU AI Act auch fürs Recruiting. Hier ist, was das konkret bedeutet, was du sofort tun musst und was bis 2027 Zeit hat.

Auf einen Blick
Liste auf: ATS-eingebaute Screening-KI, externe Resume-Parsing-Services, KI-Stellenanzeigen-Generatoren, Conversational-Bots auf der Karriereseite, Active-Sourcing-AI. Auch 'wir nutzen ChatGPT mal nebenbei für Mail-Drafts' fällt darunter, wenn die Mails Bewerbungs-Bezug haben.
Vor dem Klick auf 'Bewerbung absenden' muss klar sein: KI-Vorsortigung wird genutzt, ein Mensch entscheidet, Auskunftsrecht steht offen. Beispiel: 'Deine Bewerbung wird von einer KI vorgesortet (Score + Begründung). Die Entscheidung trifft immer ein Mensch. Du hast jederzeit das Recht auf Auskunft, Berichtigung und Löschung.'
Wer hat wann was geändert. KI BMS macht das standardmäßig; bei anderen Tools überprüfen + aktivieren. Speichern: Datum, Userin/User, Stage-Übergang, KI-Score (falls relevant), Begründungstext (falls KI-generiert).
HR muss in einem Klick einen KI-Score überstimmen können, das System darf nicht 'aufgrund von Score < 40 automatisch ablehnen' tun. Wenn eure aktuelle Konfiguration Auto-Absagen vorsieht: deaktivieren bis ein:e Mensch geprüft hat.
Mindestens quartalsweise: aggregiere die KI-Scores der letzten 50 Bewerbungen, vergleiche die Mittelwerte gegen sensible Merkmale (anonymisiert). Wenn Männlich-gelesene Namen einen 8+-Punkt-Vorteil haben, hast du einen Bias-Hinweis - re-instruiere den KI-Prompt.
Pro Stelle festhalten: welcher KI-Prompt wurde genutzt, welche Anforderungen waren Pflicht / Knockout, welche Score-Schwelle gilt. Eine 1-Seiten-Dokumentation pro Stelle reicht; Aufbewahrungsfrist 5 Jahre nach Abschluss der Stelle.
Der KI-Anbieter (z. B. wir, falls ihr KI BMS nutzt) ist Auftragsverarbeiter. AVV nach Art. 28 DSGVO + Anhang IV-Pflichten nach AI Act sind zu signieren. Prüfen: Hosting-Region, Subverarbeiter-Liste, Audit-Rechte, Lösch-Verpflichtung bei Vertragsende.
Jede:r, der mit der KI arbeitet, sollte einmal verstehen: was die KI macht, was sie nicht macht, wie ein Override geht, wie ein Bias-Hinweis aussieht. Eine 30-Minuten-Schulung mit Übungs-Bewerbungen reicht. Dokumentier den Schulungs-Termin.
Der EU AI Act klassifiziert KI-Systeme nach Risiko-Klassen. Recruiting-KI fällt unter Anhang III (Hochrisiko-Anwendungen), 4(a): 'KI-Systeme, die für die Auswahl von natürlichen Personen, insbesondere zur gezielten Schaltung von Stellenanzeigen, zur Sichtung oder Filterung von Bewerbungen und zur Bewertung von Bewerber:innen verwendet werden'. Das umfasst genau das, was ein modernes ATS mit KI-Vorsortigung tut.
Hochrisiko-Pflichten gemäß Art. 8-15: Risikomanagement-System, Data Governance, technische Dokumentation, Aufzeichnungspflichten, Transparenz gegenüber Nutzer:innen, menschliche Aufsicht, Genauigkeit + Robustheit + Cybersecurity. Das klingt schwer; in der Praxis sind es acht konkrete Aktionen, die unten aufgelistet sind.
Pflicht ab 2.8.2026: Transparenz gegenüber Bewerber:innen, Aufzeichnungs-Pflicht (Audit-Log), menschliche Aufsicht, Bias-Monitoring. Empfehlung (aber stark): externe Risiko-Bewertung dokumentieren, Bias-Tests pro Stelle, Daten-Schutz-Folgeabschätzung pro Stelle.
Wer KI in Recruiting einsetzt und die Pflichten ignoriert, riskiert: (1) Bußgeld bis 7% Umsatz; (2) Diskriminierungs-Klagen mit erleichtertem Beweis (das AGG senkt die Beweislast bei dokumentierter Auto-Sortigung); (3) Reputationsschaden, wenn Bewerber:innen die KI-Beteiligung erst nachträglich erfahren.
Drei Aspekte. Eins - der Mensch muss eine Auto-Entscheidung aufheben können. Eine Auto-Absage ohne Override-Möglichkeit ist verboten. Zwei - der Mensch muss in der Lage sein, die Auto-Entscheidung zu verstehen. Eine Black-Box-KI ohne Begründung pro Bewerbung ist riskant. Drei - der Mensch muss die Befugnis haben, gegen eine Auto-Entscheidung zu entscheiden. Wenn HR de jure überstimmen kann, aber de facto wegen Zeitdruck nie überstimmt, ist die Aufsicht nominell, nicht real.
Häufige Fragen
Kostenloser Tarif, keine Kreditkarte nötig. Hosting in Deutschland. Export und Löschung sind self-service.
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